Operationen/ Kastration

Kastration

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Hengst zu kastrieren. Junge Hengste bei denen der Samenstrang noch nicht so kräftig ausgebildet ist und der Leistenspalt klein ist, können im Stall in Vollnarkose kastriert werden. In diesem Fall wird eine unbedeckte/ offene Kastration durchgeführt, bei der der Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis) eröffnet wird. Der Samenstrang wird abgeklemmt und Hoden und Nebenhoden werden entfernt. Bei dieser unbedeckten/ offenen Kastration bleibt die Op- Wunde anschließend unverschlossen. Ab einem Alter von circa 2 Jahren steigt durch den größeren Leistenspalt und den kräftiger ausgebildeten Samenstrang bei dieser Operationstechnik das Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel Blutungen oder Darmvorfällen, da bei dieser Methode durch die Eröffnung des Scheidenhautfortsatzes die Bauchhöhle eröffnet ist. Deshalb sollten diese Hengste in der Klinik kastriert werden und die bedeckte/ geschlossene Kastrationstechnik angewendet werden.

Bei der bedeckten/ geschlossenen Kastration in der Klinik wird der Scheidenhautfortsatz nicht eröffnet. Die Kastration erfolgt in Vollnarkose in Rückenlage, sofern keine anatomischen Besonderheiten vorliegen.Im Unterschied zur unbedeckten/ offenen Kastration wird bei dieser Operationstechnik die Op- Wunde anschließend durch eine Naht wieder vollständig verschlossen. Dies hat den Vorteil, dass eine schnelle primäre Wundheilung stattfinden kann. Ein weiterer Vorteil der Kastration in der Klinik ist, dass im Unterschied zum Stall unter sterilen Bedingungen operiert werden kann und so Wundinfektionen verhindert werden.

Nach der Kastration sollte das Pferd 10 Tage lang stehen und die Wunde sollte täglich kontrolliert werden. Nach diesen 10 Tagen kann das Pferd bei einem guten Heilungsverlauf im Schritt bewegt werden und nach weiteren 14 Tagen wieder antrainiert werden. Hengste sind nach der Kastration noch für eine gewisse Zeit fruchtbar. Deshalb sollte der Kastrat erst nach ca. 6 Monaten mit Stuten in einer Herde gehalten werden. Das Hengstverhalten verringert sich je nach Hengst und Alter des Tieres unterschiedlich schnell. Bei einigen Hengsten, die zum Beispiel erst spät kastriert worden sind, lässt das Hengstverhalten teils nicht vollständig nach.

Krypthorchiden können in der Pferdeklinik Bilsen je nach Lage des Hodens auf unterschiedliche Methoden kastriert werden. Bei inguinaler Lage (der Hoden befindet sich im Leistenspalt) kann der Hoden über einen Zugang in der Leiste entfernt werden. Bei abdominale Lage (der Hoden befindet sich in der Bauchhöhle) kann er laparoskopisch entfernt werden.